Die militärische
Landesverteidigung Österreichs ist durch die
Raumverteidigung eine betont defensive Verteidigung,
der dementsprechende Prinzipien zugrunde liegen:
- sie will durch
die Bereitschaft und Fähigkeit zur Kampfführung
beitragen, einen möglichen Aggressor abzuhalten,
womit sie zur Friedenssicherung beiträgt;
- bei einem Angriff durch einen Aggressor verteidigt sie nachhaltig die
wichtigsten Räume und sichert die übrigen und beabsichtigt
möglichst große Teile des eigenen Staatsgebietes zu behaupten;
- sie richtet ihre Verteidigungsvorbereitungen auf einen Kampf
im eigenen Land aus. Durch genaue Einsatzvorbereitung, durch Ausnützen und
Verstärken des Geländes, durch Fördern der Zusammenarbeit
der Soldaten mit der Bevölkerung kann der Heimvorteil genützt
werden;
- sie baut auf einer allgemeinen Wehrpflicht und einem Heer mit starker
Milizkomponente auf;
- sie stützt sich auf eine rechtzeitige und rasche Mobilmachung des Bundesheeres ab, wobei Teile ständig einsatzbereit zu sein haben;
- sie will die Gefährdung der Zivilbevölkerung von zu erwartenden
Kampfhandlungen auf ein mögliches Mindestmaß reduzieren;
- sie sieht den zivilen Widerstand nicht als Alternative, sondern als
notwendige Ergänzung im Rahmen der umfassenden Landesverteidigung.
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Unterschiedliche
militärische
Bedrohungen erfordern unterschiedliche militärische
Antworten, denen Österreich
in Form der Raumverteidigung Rechnung trägt.
Bedingt
durch die Lage in Mitteleuropa könnten
militärische Bedrohungen als:
- Durchmarsch mit dem Ziel außerhalb Österreichs
oder
- Teilbesetzung oder Besetzung Österreichs
als Operationsbasis gegen einen Drittstaat
erfolgen. |
Dabei wird es dem Aggressor darauf ankommen, mit überlegenen
mechanisierten Kräften und Luftunterstützung
entlang der Hauptbewegungslinien in die für
ihn wichtigen Räume vorzustoßen, um vollendete
Tatsachen zu schaffen. Durch subversive Aktionen
im gesamten Raum kann diese Aggression unterstützt
werden.
Im Falle einer Gesamtbedrohung oder einer Bedrohung
gegen weite Teile des Staatsgebietes werden demgegenüber
Kampfverfahren in Schlüssel- und Raumsicherungszonen
angewendet.
Im Falle einer räumlich begrenzten Bedrohung gegen einen Teil des Staatsgebietes wird durch das
Kampfverfahren des räumlich begrenzten Abwehrkampfes
im bedrohten Raum das Eindringen eines Aggressors
verhindert und allenfalls eingedrungene Kräfte
zerschlagen.
Im Falle von Bedrohungen geringerer Intensität, die sich aus Spannungen vor allem in den Nachbarländern,
aus internationalen Spannungen sowie durch Terrorismus
und Subversion ergeben, wird das Kampfverfahren Sicherungseinsatz
durchgeführt.
Die Raumverteidigung ermöglicht durch unterschiedliche
Verfahren sowohl den Neutralitätsschutz durch Überwachung
der Grenzen als auch das nachhaltige tiefgestaffelte
Verteidigen von Durchmarschlinien gegenüber
jeden möglichen Aggressor. Die große Schlacht
wird dabei in eine Vielzahl von aufeinanderfolgenden
Gefechten aufgelöst, die auf die gesamte Tiefe
des Landes verteilt sind und in ihrer Gesamtheit
den gewünschten Verzögerungs- und Abnützungserfolg
bringen sollen.
Durch Ausnützung starken Geländes und des "Heimvorteiles" beim
Kampf im eigenen Land sowie durch die Fortsetzung
des Kampfes im Rücken und in den Flanken wird
der frontalen Überlegenheit sowie der Luftüberlegenheit
eines Aggressors Rechnung getragen.
Hiezu werden im Bundesgebiet Schlüsselzonen und Raumsicherungszonen vorbereitet und gegebenenfalls
mit dem Zweck aktiviert, durch Kampf in Schlüsselzonen
die Durchmarschlinien zu sperren und in Raumsicherungszonen
den Aggressor an der freien Nutzung des Raumes zu
hindern. Einer räumlich begrenzten Bedrohung
wird durch räumlich
begrenzten Abwehrkampf begegnet.
Durch Sicherungseinsatz wird die Grenzüberwachung
sowie der Schutz von Räumen in der Tiefe oder
in Nebenbedrohungsräumen erzielt.
Die Raumverteidigung ist ein spezifisch österreichisches
Abwehrsystem, das für ihre Wirksamkeit der Zustimmung,
Mitwirkung und Unterstützung durch die Bevölkerung bedarf. Daher verlangt die Raumverteidigung, daß das
Heer in der Bevölkerung verankert und das gegenseitige
Verständnis und Vertrauen gefördert wird.
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